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AVID Pro Tools 12.7

AVID 12.7

Seit der Einführung von Pro Tools 12 hat sich bis zur aktuellen Version 12.7 einiges getan und die Software hat einige Schritte weiter nach vorn gemacht. Wurde Version 12 noch für wenige Neuerungen gegenüber Verion 11 kritisiert, sind mit den nachgerückten Updates bis Version 12.7 viele interessante und nützliche Features dazugekommen, die Pro Tools weiterhin seine Vorreiterposition als Studiosoftware Nr. 1 sichern.

Avid hat mit den Updates viele nützliche Funktionen geliefert und vor allem auch den Non-HD Pro Tools Nutzern einige angenehme und alltagserleichternde Möglichkeiten zur Verfügung gestellt, die bislang nur HD-Nutzern vorbehalten waren.


Fangen wir vorne an: Es gibt ein neues Bezahlmodell. Von nun an gibt es die Möglichkeit, Pro Tools durch ein monatliches oder jährliches Abonnement zu beziehen. Es wird hierbei nicht mehr nur eine Version gekauft, sondern man erwirbt alle dazugehörigen Updates und Erweiterungen für den abonnierten Zeitraum. Dies ist insofern sehr praktisch, dass auch eine entsprechende Avid-Master-Konto- Applikations-Software dabei ist, über die man sich über die Aktualität der installierten Komponenten informieren, sowie gegebenenfalls auch direkt updaten kann.

Meine Begeisterung als Pro Tools (Non-HD)- Nutzer wurde vor allem mit dem 12.1-Update geweckt. Hier wurden einige Features, welche bisher nur der HD-Verion vorbehalten waren, auch für die abgespreckte Pro Tools-Version freigeschaltet. Ebenso gehörte hier eine Erhöhung der maximal erstellbaren Audiospuren (auf 128), sowie der Instrumentenspuren (auf 512) dazu. Bahnbrechend für den Workflow gestalten sich die Input-Monitoring-Funktion. Welche es ermöglicht, jederzeit das Eingangssignal einer Spur hören zu können, egal ob sich Pro Tools im Stop-, Play, oder Record-Modus befindet. Dies ist vor allem beim Üben eines Parts nützlich, bevor man ihn einspielt, da ohne Input-Monitoring das Eingangssignal im Play-Modus nicht abgehört werden konnte. Die Copy-to-Send- Funktion erleichtert vor allem das Erstellen von Kopfhörer-Mischungen, indem man als Basis des Mixes durch eine einfache Tastenkombination den erstellten Fader-Mix mitsamt auszuwählender Parameter auf einen beliebigen Send kopieren kann. Zusätzlich erleichtern PFL- und AFL-Modi jetzt auch Non-HD-Nutzern die Arbeit beim Recording und Mixing.

Version 12.2 brachte weitere Verbesserungen der Non-HD-Version mit sich. Beispielsweise können jetzt auch VCA-Master für die Lautstärkeregelung einer erstellten Mix-Gruppe verwendet werden. So hat man über einen extra Master-Fader volle Lautstärke-Kontrolle über eine separate Gruppe im Mix, ohne diesen extra zu summieren, oder die individuellen Fader bewegen zu müssen. Verbesserte Metering-Optionen erlauben jetzt auch einen schnellen Überblick der Gain-Reduction, sowie viele verschiedene Metering-Optionen für verschiedene Anwendungszwecke.

Nützliche Verbesserungen des Mixing- und Editing-Vorganges wurden mit Version 12.3 eingeführt. Ab diesem Update gibt es die „Commit Tracks“-Funktion, welche die Möglichkeit des Offline-Renderings mit verschiedenen Einstellungen bietet. Hier können also erstellte Edits, sowie angewandte Effekte oder sonstige Bearbeitungen fest als Audio-Material gerendert werden, um Ressourcen freizugeben und anderweitig verwenden zu können. Hierbei kann man verschiedene Einstellungen tätigen, um zu entscheiden, welche Eigenschaften der Bearbeitung tatsächlich ins Rendering mit einbezogen werden sollen. Sehr interessant ist auch die Rendering-Funktion in Kombination mit Midi-Spuren, welche dann direkt als Audio-Material gerendert werden. Die transparente Darstellung von Wellenformen beim Verschieben erleichtert die Übersicht beim Editing und auch die Möglichkeit der gleichzeitigen Fade-Bearbeitung bei kompletten Clip-Gruppen lässt das Editing noch schneller von der Hand gehen. Hierzu ist auch noch mal hervorzuheben, dass auch für die Gruppenbearbeitung eigene Fade-Kurven verwendet werden können und als Presets abgespeichert und geladen werden können.




Die Fade-Bearbeitung wurde durch die Anpassung entsprechender Shortcuts auch in Version 12.4 noch weiter verbessert und noch nutzerfreundlicher gestaltet, was das Tempo der Bearbeitung angeht.
Eine weitere wichtige Funktion, welche in diesem Zwischenupdate eingebunden wurde, ist die „Track Freeze“-Funktion. Diese funktioniert prinzipiell ähnlich, wie die Rendering-Funktionen des „Commit Tracks“, ist aber komplett reversibel und erzeugt keine neuen Audio-Daten. Hier wird eine Spur bis zu einem einstellbaren Punkt (bspw. bis zu einem speziellen Plug-In in der Bearbeitungs-Kette) eingefroren und festgehalten. Die eingefroreren Parameter sind jetzt nicht mehr veränderbar, bleiben allerdings in Ihrem eingestellten Klang erhalten, sogar wenn die Session auf einem anderen System geöffnet wird, welche beispielsweise nicht über die verwendeten Software-Instrumente, oder Plug-Ins verfügt.

Ein Meilenstein der Kollaboration innerhalb gemeinsamer Projekte wurde mit Version 12.5 geschaffen. Ab jetzt ist es möglich, mit Hilfe sogenannter Pro Tools-Projekte (im Gegensatz zu gewöhnlichen Sessions) gemeinsam mit mehreren Personen an einem Projekt zu arbeiten. Dies ermöglicht je nach vorhanderer Internetleitung das Arbeiten an ein und dem selben Audioprojekt von mehreren Orten und von mehreren Personen gleichzeitig. Und so die schnelle Kooperation trottz räumlicher Trennung.

Version 12.6 brachte erneut einige Möglichkeiten zur besseren Nachbearbeitung (zumindest innerhalb der HD-Version) mit sich. Ab dieser Version ist es möglich, auch einzelne Clips auf einer Spur mit bestimmten Effekten zu bearbeiten. Das bedeutet in der Praxis, dass auch mehrere Clips auf der selben Spur auf unterschiedliche Art und Weise bearbeitet werden können. Zudem bietet die Layer-Editing-Funktion eine bessere Übersicht beim Verschieben von Clips und damit beim Editing, da man somit besser erkennen kann, wie weit man den Clip im Vergleich zur Originalposition verschiebt.

Das letzte Update auf Version 12.7 brachte mit der Project-History noch mal eine wichtige Verbesserung zur Cloud-Collaboration mit sich. Ab jetzt kann man auf jeden Bearbeitungs-Status eines Pro Tools-Projekts noch mal zugreifen und auch einzelne Spuren von vorhergegangenen Versionen nochmals importieren, um beispielsweise zu einem früheren Bearbeitungspunkt eines bestimmten Instruments noch mal zurückzukehren.
Die neu eingeführte Soundbase bietet hierbei die Möglichkeit, als eine Art File-Browser schnell alle verwendeten Audio- und Midi-Dateien finden und filtern zu können. So kann der Nutzer schnell und effektiv auf alle Dateien zugreifen, die er für sein Projekt benötigt.

Avid hat mit den Nachfolgenden Updates viele nützliche Funktionen geliefert und vor allem auch den Non-HD Pro Tools Nutzern einige angenehme und alltagserleichternde Möglichkeiten zur Verfügung gestellt, die bislang nur HD-Nutzern vorbehalten waren.

Vor allem die Möglichkeiten der Cloud-Collaboration und damit der gemeinsamen Zusammenarbeit an einem Projekt über das Internet zeigt sich als sehr zeitgemäß und zukunftsweisend.

Insgesamt präsentiert sich Pro Tools nach den Updates zur Vollversion 12 als Programm, welches sich den Anforderungen der modernen Produktions-Umgebungen anpasst und sich stetig weiterentwickelt und verbessert.

  
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